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Generalversammlung 2017

05.04.2017 um 19:30 Uhr

Dorfstube Niederweningen


Meilensteine in der Geschichte

Der Frauenverein Niederweningen (FVN) wurde am 7. April 1861 gegründet und hat eine reiche Geschichte. So ist es den engagierten FVN-Mitgliedern zu verdanken, dass am 3. Mai 1937 in der Dorfstube, die auch heute noch Vereinslokal ist, der Kindergarten seinen Betrieb aufnehmen konnte. Vorausgegangen waren seit 1925 zahlreiche Sammelaktionen des Frauenvereins, dessen Vertreterinnen die teilweise skeptische Niederweninger Bevölkerung mit viel Engagement von der Notwendigkeit eines Kindergartens überzeugt hatte. 

Fräulein Marie Zolliker unterrichtete zu Beginn 18 Kinder an drei Tagen jeweils von 9 bis 11 und von 14 bis 16 Uhr sowie am Donnerstag- und Samstagmorgen. Das Schulgeld betrug 30 Rappen pro Woche und Kind, die Kindergärtnerin verdiente 100 Franken monatlich. Aufgenommen wurden Kinder bereits ab drei Jahren. Dieses Eintrittsalter musste einige Jahre später auf vier Jahre erhöht werden – nicht etwa, weil die Kinder nicht kindergartenreif gewesen wären. Doch die Klasse wäre sonst zu gross geworden.

1941 beantragte der Vorstand des FVN der Primarschulpflege, sie möge per 1. Januar 1942 den Kindergarten übernehmen, damit Fräulein Zolliker endlich der zustehende Mindestlohn von 200 Franken monatlich ausbezahlt werden könne. 35 Kindergartenkinder zählte deren Klasse inzwischen. Die Schulpflege stimmte zu, worauf der FVN ihr den Kindergartenfonds übergab, der auf stattliche 8000 Franken angewachsen war. Der Frauenverein bestellte ab diesem Zeitpunkt die Kindergartenkommission und wachte lange Jahre weiterhin direkt über die «Kleinkinderschule». Bereits 1947 wurde der Jahreslohn der Kindergärtnerin auf 4000 Franken erhöht. 

«Erst die Arbeit, dann das Vergnügen» – doch ein Blick in die historischen Vereinsbücher zeigt, dass gesellschaftliche Anlässe wie die Vereinsreisen sehr genossen wurden. Im Mai 1925 etwa fand die Autofahrt nach Luzern via Zürichsee statt. «In Horgen schwenkten wir ab nach Hirzel über Hütten. In einer geschützten Waldlücke gabs Halt», ist nachzulesen, «und der mitgenommene Znüni wurde genossen. Dabei wurde die vielseitige Aussicht bewundert, man konnte den Zürichsee, die Berge und einen schönen Teil des Zürcher Oberlandes sehen. Die Gegend von Hirzel und Hütten war auch etwas zu spät gekommen, als der liebe Gott das Land verteilte, denn Höger und Bück hat es da viele, mehr als ebenes Land, und es wird wohl manche Bauernfrau, die mit uns gereist ist, mit Schmunzeln an unsere ebenen Äcker und Wiesen gedacht haben, und gewiss wieder gerne in der Mandschurei, wie man Niederweningen oft betitelt, daheim sein.» (Jahresbericht 1925)

Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die Einführung der Mütterberatung, die noch immer in der Dorfstube stattfindet. Ab Januar 1941 beriet Schwester Elisabeth Schulze die jungen Mütter jeweils an zwei Donnerstagen monatlich, finanziell unterstützt vom FVN, dem Bezirksverein der Gemeinnützigen Gesellschaft und von Pro Juventute. 

Während der Kriegsjahre strickten die fleissigen Frauen des FVN für die in der ganzen Schweiz verstreuten Niederweninger Wehrsoldaten zu Weihnachten Socken, wovon zahlreiche Dankesbriefe und Postkarten aus jenen Jahren zeugen. Zu Weihnachten beschenkte der Frauenverein während Jahrzehnten zudem regelmässig bedürftige Familien und Gemeindemitglieder mit etwas Geld, Sockenwolle, Weggen, Nachthemden, Stoff, einer Büchse Ovomaltine – und hin und wieder gabs auch eine Flasche Malaga oder ein Kistchen Brissago für Junggesellen oder Witwer.

Die erste Hauspflegerin in unserem Dorf wurde am 1. Januar 1962 durch den Frauenverein angestellt, suchte jedoch schon nach wenigen Wochen das Weite. «Wir trauerten ihr nicht nach», ist in den Protokollen nachzulesen. Nach einigem Hin und Her konnte eine Nachfolgerin im Dezember 1962 ihre Arbeit antreten, die offenbar Gefallen fand: «Wenn sie auch noch jung ist und dies und das noch hinzu lernen muss, nun, das mussten wir in unserer Jugend alle auch, und oft müssen wir das auch noch heute» (Quelle: Jahresbericht).

Auch die heutige Mediothek im Oberstufenschulhaus Schmittewis hat ihren Ursprung beim Frauenverein. Über Jahrzehnte hat sich der FVN jährlich ein paar Bücher angeschafft, die von dessen Mitgliedern «nicht länger als drei Monate» ausgeliehen werden durfte. 500 Bücher zählte die vereinseigene Bibliothek im Jahr 1954. Sie wurde 1958 mit dem Bücherbestand des Lesevereins verschmolzen und bot so die Basis für die Gemeindebibliothek.

Die Mitglieder des Frauenvereins haben sich stets auch für die Weiterbildung eingesetzt. So wurden im Winter regelmässig Vorträge durchgeführt mit Themen wie «Gotthelf und sein Wirken» (Referent Pfr. Studer), «geschlechtliche Erziehung» (Schwester Berta Zeller) und mehrere Abende füllende Erziehungskurse, an denen viele Mütter teilnahmen. Es wurden Dokumentarfilme über politische oder agronomische Themen gezeigt. Auch der Alkoholismus und seine Folgen waren über einige Jahre immer wieder Thema in den Vorträgen. Regelmässig nahmen Vorstandsmitglieder an den Jahresversammlungen der Fürsorgestelle für Alkoholkranke in Dielsdorf teil.

Daneben wurden Flick-, Näh-, Strick-, Knabenkleider-, Diät-, Bügel-, Gartenbaukurse und vieles mehr durchgeführt. Die breite Palette dieses Kurs- und Weiterbildungsangebotes entspricht jenem der heutigen Fortbildungsschule Wehntal.

In der Dorfstube, dem Vereinslokal, fand zudem die erste Sitzung der umliegenden Frauenvereine statt, die den Bau des heutigen Alterszentrums Wehntal zum Ziel hatten. Die «Vereinigung Alterswohnheim Wehntal» wurde 1974 von je zwei Vertreterinnen der Frauenvereine Niederweningen, Oberweningen, Schöfflisdorf, Oberweningen und Schleinikon/Dachsleren gegründet; später stiessen die Frauenvereine Dielsdorf und Steinmaur dazu. 1977 gründeten 7 benachbarte politische Gemeinden den Zweckverband Alterswohnheim Wehntal. 

Wie viele Sitzungen benötigt und wie viele Mitglieder des Frauenvereins Kuchen gebacken und Socken gestrickt haben, die an Bazaren zugunsten des Alterszentrums verkauft wurden, ist nicht bekannt. Bis 1986 erwirtschafteten die Frauenvereine gemeinsam jedenfalls stolze 460 000 Franken für den Bau des Alterswohnheims, das 1981 eingeweiht worden war.

Eine Errungenschaft der jüngsten Zeit, die der Initiative des FVN zuzuschreiben ist, sind die GA-Tageskarten der SBB. Der Frauenverein bot jahrelang als einzige GA-Tageskarten an, bis die SBB dieses Angebot Privaten untersagte. Daraufhin beantragte der FVN dem Gemeinderat, dieses Angebot zu übernehmen – mit Erfolg: Die Gemeindeverwaltung bietet heute 5 SBB-Tageskarten für DorfbewohnerInnen an.